Was tun bei Verdacht?
Die Unverträglichkeit von Milchzucker ist ein weltweites Phänomen, tritt aber in unterschiedlicher Häufigkeit auf.
› Während in Skandinavien nur wenige Menschen als lactoseintolerant gelten, sind es auf Sizilien fast 70 Prozent der Bevölkerung, in Asien und im Süden Afrikas sogar bis zu 90 Prozent.
Dabei sind sich die Wissenschaftler über die Gründe bis heute nicht einig. Am wahrscheinlichsten scheint die These, dass nach Einführung der Milchviehwirtschaft aus Nordwesteuropa solche Menschen einen Selektionsvorteil hatten, die Milchzucker tolerierten. Wer dagegen unter einer Unverträglichkeit litt, war gesundheitlich im Nachteil und hatte größere Schwierigkeiten in Notsituationen zu überleben.
Diagnose absichern
Da die Anzeichen einer Milchzuckerunverträglichkeit oft ganz unterschiedlich sind, dauert es manchmal lange, bis die richtige Diagnose gestellt wird. Schätzungsweise die Hälfte der Betroffenen kennt den Grund für ihre Beschwerden bis heute nicht. Art und Schwere hängen nämlich von vielen verschiedenen Faktoren ab: Grad des Lactasemangels, Menge und Art des verzehrten Milchproduktes, etc.
› Wer an sich Symptome beobachtet, die im Zusammenhang mit dem Genuss von Milch und Milchprodukten stehen, kann sich zunächst selbst Klarheit verschaffen: mit einer lactosefreien Diät.
Die so genannte Eliminationsdiät verzichtet zwei Wochen lang aus alle Lebensmittel, die Lactose enthalten. Wenn während dieser Karenzphase die Symptome abnehmen oder völlig verschwinden, besteht höchstwahrscheinlich ein Zusammenhang zwischen Wohlbefinden und Lactose. Allerdings erfordert eine lactosefreie Diät viel Disziplin und ist in der Praxis nicht so leicht durchzuführen. Viele unserer Nahrungsmittel (z.B. auch Wurstwaren und Schokolade) enthalten Lactose, ohne dass darauf hingewiesen wird.
Im Zweifelsfall testen
Folgende klinische Tests geben gesichert Auskunft:
› H2-Atemtest (Lactose-Toleranztest)
Schnelle und weitverbreitete Standardmethode, bei der man eine Milchzuckerlösung trinkt (25 g Lactose im 200 ml Wasser, entspricht der Menge, die sich in einem halben Liter Milch befindet) und anschließend alle 15 Minuten den Wasserstoffgehalt in der Atemluft misst. Anhand der Wasserstoffkonzentration lässt sich der Grad der Lactoseintoleranz bestimmen.
› Lactose-Belastungstest
Wie beim Atemtest nimmt man zunächst 25 mg Laktose in 200 ml Wasser zu sich. Anschließend wird während der nächsten zwei Stunden regelmäßig der Blutzucker gemessen. Wegen der häufigen Blutabnahmen ist dieser Test für Kinder nicht geeignet.
› Gentest
Neues und teures Verfahren, das mittels einer Blutprobe ermittelt, ob die genetische Veranlagung für eine Lactoseintoleranz vorliegt.
› Dünndarmbiopsie
Sichere, aber aufwändige Methode, bei der eine Gewebeprobe aus dem Dünndarm entnommen wird. So kann nicht nur nachgewiesen werden, ob eine Lactose-intoleranz vorliegt, sondern auch wie schwer die Erkrankung ist.


